klangstaetten | stadtklaenge: Konsumverein

klangstaetten | stadtklaenge 2017
internationale Klangkunst im Außenraum

klangstaetten | stadtklaenge ist ein Projekt des Allgemeinen Konsumvereins der seit seiner Gründung 1999 Klangkunst/Klanginstalltion ausstellt, ermöglicht und vermittelt.

In diesem Jahr sind nach 2009 und 2012 zum dritten Mal internationale Klangkünstler_innen eingeladen, mit ihrer Kunst den Außenraum zu befragen.
Gerade Weg- und Hinhören kann die Einzelnen mit ihrem Lebensumfeld verbinden. Zugleich kann es in sehr poetischer Weise ein In-Sich-Hineinhören und damit ein Hören auf den Ort sein. Menschen gehen mit offenen Ohren durchs Leben, immer, es sei denn man stöpselt sie zu. Klanginstallationen im öffentlichen Raum schärfen die Aufmerksamkeit auf die Töne der Stadt.

Temporäre künstlerische Projekte tragen zur Identifikation mit dem eigenen Ort und zur bewussten Wahrnehmung des öffentlichen Raums bei – in Braunschweig zeigt dies die Erfahrung mit dem „Lichtparcours“ oder auch mit den vorangegangenen klangstaetten | stadtklaenge 2009 und 2012 des Allgemeinen Konsumvereins, die im Quartier des Vereins, „Zwischen Puff und Kloster“, angesiedelt waren. 2017 gehen wir über dieses Quartier hinaus und bedenken die Stadtstruktur wie sie gewachsen ist und wie sie sich gegenwärtig darstellt mit. Dies geschieht nicht als Lehrstück, sondern fast unversehens durch die Besonderheit der Orte und die Wege zu ihnen. Dies geschieht durch den offenen Blick, der geschärft wird durch die emotionale Erfahrung des Klangs.

Geprägt ist die Braunschweiger Topographie von der den Stadtkern umrundenden Oker und den sie „begleitenden“ grünen Wällen. Diesseits und jenseits der Umflut haben sich unterschiedliche Bebauungen und unterschiedliche städtische Atmosphären entwickelt. Sie zeugen bis heute von der Geschichte der Stadt. Dazu gehören auch die historischen Friedhöfe: Aus hygienischen und aufklärerischen Gründen mussten die Pfarrkirchen ihre Begräbnisplätze in der Mitte des 18. Jahrhunderts von den Kirchen weg nach außerhalb verlegen. Erst der Zentralfriedhof ließ diese Außenfriedhöfe 100 Jahre später obsolet werden. Da waren sie schon umgeben von dem erweiterten städtischen Gefüge. Sie wurden nun verkleinert und teilweise überbaut, anderen Zwecken zugeführt. Später, in der Obhut der Stadt wandelten sie sich zu öffentlichen Grünflächen. Inzwischen sind sie renoviert und eingefriedet – an ihre Geschichte erinnern heute mal ganze Reihen, mal vereinzelte Grabsteine.

klangstaetten | stadtklaenge 2017 erweist diesen Orten Referenz, fragt nach ihrer öffentlichen Funktion und ihrer Atmosphäre, macht die Spannung zwischen laut und leise bewusst. Sammeln wir uns, gedenken wir, hören wir? Die offen gelassenen historischen Friedhöfe rücken als urbaner Klang-Raum, als Geschichts-Raum und damit als bewusster öffentlicher Raum in den Fokus, werden Mitspieler der künstlerischen Eingriffe. Zugleich werden sie durch einen Weg des Hörens an das innerstädtische Gefüge angebunden, historische Wege und Zusammenhänge werden deutlich. Die von den beteiligten Künstler_innen inszenierten Situationen werden zu individuellen Besonderheiten der ausgewählten Areale, erlebbar nur dort und durch die Hörenden selbst. Die Beiträge überführen den bekannten Ort in einen bisher noch nie so erfahrenen Zusammenhang.

klangstaetten | stadtklaenge 2017 verankert den Parcours im Quartier des Allgemeinen Konsumverein und geht von hier zu den Stadtkirchen-Friedhöfen im westlichen Ringgebiet: Der Klosterkirchhof von St. Aegidien mit seiner wechselvollen Geschichte und heute zum Braunschweiger Landesmuseum gehörend bildet den innerstädtischen Anfang. Dieser Friedhof war nie Gemeindefriedhof und blieb deshalb immer an der Kirche wie der Friedhof des Kreuzklosters an der Freisestraße auch. Letzterer bildet den Abschluss unseres Weges. Mit dieser Klammer spiegelt sich in besonderer Weise Stadtgeschichte und Topographie wieder.

Der Weg führt vom Allgemeinen Konsumverein als path of awareness (katrinem) von Klangstaette zu Klangstaette, lässt die Stadtklaenge des Alltags und die Konzentration der temporären Installationen an den ausgesuchten Orten hören, führt zu den Zwischenorten mit Interventionen aus der Klangkunstklasse der HBK-Braunschweig.

Im Hof des Landesmuseums verwischt die audio-visuelle Arbeit von Natalie Bewernitz / Marek Goldowski die Grenzen zwischen Erinnerung und Gegenwart. Auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz empfängt der Stillekompass von Ulla Rauter die Lautstärkensignale der Friedhöfe rings um den Grün- und Okergürtel der Stadt und erinnert so an die Stadtanlage – wir hören laut und leise. An der historischen Stadtmauer, Beginekenworth, überlagern sich Geschichte und Gegenwart. Jacob Gardemann macht hierauf und Gang Chen auf den Okerübergang aufmerksam. Eine Hörbank auf dem Reformierten Friedhof fordert die Konzentration. Die öffentliche Parkanlage hinter dem Hospiz an der Broitzemer Straße ist Aufenthalts- und Durchgangsort und wird mit der Arbeit von Stefan Roigk zum Resonanzraum. Auf dem ehemaligen Martini-Friedhof an der Goslarschen Straße reflektiert die Installation von Roswitha v.d. Driesch und Jens-Uwe Dyffort die Umgebung des getakteten Lebens und befragt hintergründig unser Zeitverständnis. Das Glockenschlagen als Takt- und Zeitgeber prägt die Arbeit von Emilie Schmidt am Zwischenort Goslarsche Straße auf dem Weg zum Petri-Friedhof. Åsa Stjerna macht dort den Gang über den Friedhof zu einer poetischen Wanderung durch ein Meer zeitlicher Überlagerungen von Lebensrhythmen. Über die Klosterstraße mit einer Intervention von Aaron Schmitt führt der Weg zum Kreuzfriedhof. Kristof Georgen fasst den verwunschenen Charakter dieses Ortes als imaginären Raum verklungener Stimmen, als Platz voll Vergangenheit und Gegenwart. Die Intervention von Ingo Schulz am Zwischenort Celler-Straßen-Brücke markiert den Übergang zum alten Stadtgebiet, den Weg zu den Pfarrkirchen, deren ehemalige Friedhöfe durch die Klanginstallationen in ihrer Besonderheit wahrnehmbar sind.
Es sind die Atmosphären der Orte, die sich verändert haben, die in uns resonieren. Es ist die Verbindung von Hören und Sehen, von Fühlen und Erkennen, von Gegenwart und Geschichte im öffentlichen Raum.

Ausstellungen mit Klangkunst im Allgemeinen Konsumverein geben seit fast zwanzig Jahren Anlass, die Komplexe Hörbar/Sichtbar, Laut/Leise in unterschiedlichen Facetten wahrzunehmen, das „Denken mit den Ohren“ zu erforschen und gerade innerhalb zahlreicher Schulprojekte die Aufmerksamkeit auf Geräusch und Klang weiterzuentwickeln. Dies verfolgen wir auch mit dem groß angelegten Vermittlungsprojekt bei klangstaetten | stadtklaenge 2017: Schüler_innen setzen sich mit Klängen und Geräuschen ihrer Umgebung, ihres Alltags auseinander, entwickeln eigene Kompositionen und Installationen. Nicht die zeitlich eingegrenzte passive Aufmerksamkeit, sondern die eigenen Antworten auf die Fragen „wie klingt unsere Stadt, wie verorten wir uns durch Hören?“, „was ist Stille, was ist Krach?“ stehen im Mittelpunkt der Vermittlungsarbeit.
Seit Februar ist unsere Vermittlerin Franziska Pester-Homann an der Partnerschule Sidonienstraße in unterschiedlichen Klassen aktiv, eigene Arbeiten entstehen. In einer Projektwoche mit KünstlerInnen werden Sprache, Stille, Krach, Schwingungen und Resonanzen erkundet. Schüler_innen werden die künstlerischen Arbeiten des Parcours erkunden. Wir werden Arbeiten aus der Schule sehen und hören.

Darüber hinaus wird die Klangkünstlerin katrinem zwei Wochen mit Klassen der St.-Josef-Grundschule den täglichen Schulweg dokumentieren, Klangliches, Gefühltes aufzeigen und abgehen – die Kinder werden aufmerksam auf ihre Umgebung und wir werden partizipieren.

Auch in den Schulen, für Lernende und Lehrende bedeutet klangstaetten | stadtklaenge die Verbindung von Sehen und Hören, Fühlen und Erkennen, sich selbst und die Umgebung wahrzunehmen.

Klang | Kunst | Schule

Termine

Führungen

Für klangstaetten | stadtklaenge 2017 erweitert sich seit einem Jahr kontinuierlich das schon erprobte und vielfältige Vermittlungsangebot des Allgemeinen Konsumvereins an alle Interessierte, an Schulklassen, Lehrkräfte und Vermittler_innen durch Angebote von Workshops, Schulungen, Vorträge und speziellen Führungen.

Klang | Kunst | Schule erfährt eine besondere Intensität:
„Es gibt immer etwas zu hören!“ - „Ich liebe es, wenn es raschelt!“ Wenn junge Lernende ihr Gehör bewusst nutzen und sich intensiv mit Klang beschäftigen, eröffnet sich ihnen eine neue Welt. Sie werden zu aktiven Zuhörern, Sammlerinnen, Archivaren und Erfinderinnen. Klang und Geräusche befähigen sie zum Perspektivwechsel vom Weg- und Überhören zum bewussten Hin-Hören, zum Anders-Hören-Lernen. Dieses Neu-Hören erbringt ein neues Gefühl von sich in der Welt, von sich genau an diesem Ort:
Den Klassenraum als Klangraum begreifen, den Klang der Schritte der Anderen kennen, die eigenen Geräusche merken, die Orte durch ihre Geräusche bestimmen, Atmosphären wahrnehmen und Hörerfahrungen als angenehm, betörend oder Nerv-tötend beschreiben, Materialien auf ihre Klangqualität prüfen – kurz: zu beginnen, mit den Ohren zu denken.

Die Kooperation mit der Realschule Sidonienstraße

An der Grundschule St. Joseph:

Klang Kunst Führungen für Schulklassen

Workshop mit Kurator_in und Klangkünstler_innen: 24.09.2017 |
15.00 Uhr
kostenfrei | Anmeldung erforderlich | 0176 – 80142728

Kunst-Schreiben – Workshop mit Jaqueline Krone: 27.09.2017 | 17.00 Uhr
kostenfrei | Anmeldung erforderlich
unter vermittlung@konsumverein.de oder telefonisch unter: 0176 – 80142728

Blitzausstellung klang | kunst | schule: 28.09.2017 | 16.00 Uhr
Klangobjekte, Prozesse, gesammelte Klänge aus dem Schulprojekt Realschule Sidonienstraße
Finissage  am 08.10.2017 | 11.30 Uhr auf dem Kreuz-Friedhof, Freisestraße mit dem Countertenor Daniel Gloger.
Wie kaum ein anderer inspiriert Daniel Gloger Komponist_innen und Bildende Künstler_innen zur Auseinandersetzung mit der Stimme.

Öffentliche Sonntagsführung 
10.09. | 17.09. | 24.09. | 01.10. | 08.10.2017
jeweils um 11.00 Uhr ab Allgemeiner Konsumverein circa 2 Stunden | kostenfrei | ohne Anmeldung

Individuelle Führungen  
Führungen für bis zu 15 Personen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, 3,50 € pro Person, mind. 35,00 €
Anmeldungen und Buchungen:
vermittlung@konsumverein.de |
0176 – 80142728

Performative Führung katrinem
14.9. |15 Uhr
15.9. |11 Uhr, 18 Uhr
29.9. |11 Uhr, 16 Uhr
30.9. |11 Uhr, 16 Uhr
1.10. |11 Uhr, 15 Uhr
7.10. |15 Uhr, 19 Uhr
8.10. |12 Uhr
Startpunkt: Allgemeiner Konsumverein, Hinter Liebfrauen 2.
Dauer ca. 1 Stunde. Maximale Teilnehmerzahl 10 Personen.
Für Gruppen ab 5 Personen können Sondertermine vereinbart werden.
Kosten: 5 € pro Person, min. 50 €.

Abendführung
immer Freitag, Samstag und Mittwoch um 19.00 Uhr, Ausgangspunkt ist der Kreuzfriedhof, Freisestraße 26a.
Ohne Anmeldung, Taschenlampen und gutes Schuhwerk sind notwendig, 4,50 Euro pro Person, Dauer circa 90 Minuten.

Anmeldungen und Buchungen:
vermittlung@konsumverein.de |
0176 – 80142728

Impulse, Workshops und Führungen für Schulklassen, 2,00 € pro Person
Anmeldungen und Buchungen:
vermittlung@konsumverein.de |
0176 – 80142728

s

Projekttelefon: 0176 80142728 | info@klangstaetten.de
Allgemeiner Konsumverein e. V. | Hinter Liebfrauen 2 | 38100 Braunschweig

Konsumverein

klangstaetten | stadtklaenge 2017 wird gefördert von:

Der Allgemeine Konsumverein e. V. erhält Kontinuitätsförderung von:

stadtklaenge 2017 wird gefördert von