klangstaetten | stadtklaenge: Konsumverein
Ulrici/Brüdern-Friedhof

Als die St. Ulrici-Kirche 1544 zerstört wurde, bezog die Gemeinde die nach der Reformation von den Franziskanern verlassene Brüdernkirche als neue Pfarrkirche. Seitdem trägt diese den offiziellen Namen St. Ulrici-Brüdern – so auch der Friedhof, der 1769 angelegt und 1851 deutlich nach Westen hin erweitert wurde. Mit Einweihung des Braunschweiger Zentralfriedhofs 1887 waren die einzelnen Gemeindefriedhöfe obsolet geworden. Auch auf dem Brüdernfriedhof hörten die Bestattungen nach und nach auf, der Friedhof wurde entwidmet. In den späten 1960er Jahren entstand auf einem Teil des alten Friedhofgeländes das neue Martini-Gemeindehaus, im nördlichen Teil entstand später das Johanniterhaus. Der Friedhof mit seinem schönen Baumbestand war also schon deutlich verkleinert, als er 1980 zur öffentlichen Grünanlage mit vereinzelten und in Reihen erhaltenen Grabsteinen wurde.

2006 / 2007 entstand das Hospiz anstelle des Gemeindehauses und in diesem Zuge wurde die Grünanlage erneut gründlich renoviert: Die alte Allee und die sich über die Zeiten erhaltene Friedhofsabteilung im Osten des Geländes zeugen von der ursprünglichen Bestimmung, zugleich wirken sie wie eine romantische Parkgestaltung. Der Grabstein von Heinrich Werner, dem Komponisten der J.W Goethes Heideröslein vertonte, tut hierzu vielleicht das Übrige. Zwischen den alten wichtigen Verkehrswegen, der Broitzemer Straße, dem Madamenweg und der Goslarschen Straße, die hier schon Juliusstraße heißt, ist eine öffentliche Grünoase entstanden, in der die Stadt als Rauschen wahrgenommen wird und die von den meisten Besuchenden eher als Durchgangsort genutzt wird. Durch die Klanginstallation wird der Ort verwandelt, er ist nicht Ausstellungsort, sondern selbst Klangraum.

Stefan Roigk lebt in Berlin. Er arbeitet im Grenzbereich von abstrakter Klangcollage, Skulptur, Installation, Performance und grafischer Partitur. Sein künstlerischer Fokus liegt auf einer dynamischen und intermedialen Inszenierung von Alltagsfragmenten. Der synästhetische Ansatz seiner Werke liegt in der Ausweitung und Transformation der klanglichen Parameter und Bearbeitungstechniken auf andere künstlerische Ausdrucksformen. Er nutzt kompositorische wie dekonstruktivistische Prinzipien der Musique Concrète, der Assemblage, der Skulptur, der visuellen Musik und des Produktdesigns zur Entwicklung mehrdimensionaler Kompositionen in narrativ anmutenden bühnenartigen Installationen.

Neben seiner Arbeit als Bildender Künstler und Komponist kuratiert er Konzerte und Performances, doziert über die Rolle von Klang in der Bildenden Kunst und arbeitet mit Kindern in pädagogischen Vermittlungsprojekten für Geräuschmusik.

Stefan Roigk ist in Bückeburg geboren. Er studierte Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Klangkunst bei Prof. Ulrich Eller und Dietrich Klakow von 1998 bis 2002 in Hannover. 2015 erhielt er das Förderstipendium für Klangkunst. Braunschweig Projects. HBK Braunschweig und Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen. Zwischen 2004 und 2013 erhielt er zahlreiche Stipendien u.a. das Jahresstipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn.

Seine Arbeiten konnte er verwirklichen in Berlin (u.a. Singuhr), Mexiko-City, Chicago (experimental sound studio), Rennes (le bon accueil), Hannover, Bremen, Leipzig, Celle, Mailand, Wolfsburg; bei Festivals in Berlin, Marl, Münster, Barcelona.

www.stefan-roigk.com

Hidden, 2017, 12-Kanal Installation im öffentlichen Raum

12 Emaille-Lampenschirme (32-48 cm Durchmesser), Breitbandlautsprecher, Kabel, 3 Verstärker, 2 Waveplayer Audiocollage aus konkreten Geräuschen von Ästen, getrockneten Blättern, Tannenzapfen, Bucheckern sowie Heulrohren, Schwirrhölzern, Stimmen und Lampenschirmen.

Eine Gruppe mit Lautsprechern modifizierter Lampenschirme hängt als Feld an Kabeln aus Baumkronen herab. Lampenschirme und Kabel weisen deutliche Gebrauchsspuren auf. Das ganze objekthafte Arrangement assoziiert florale Formen. Es wird durch eine dynamische Klangcollage erweitert. Wie ein sonisches Gewächs schiebt sich dieses Arrangement der Geräusche in die Umgebung.

Die Installation Hidden betont in ihren sichtbaren Teilen die Parkallee des ehemaligen Friedhofs und die Abzweigung zum Seitenausgang: Industrielampen hängen in den Bäumen – war nicht dieser Teil der Stadt der industrielle Teil? Kein Licht, sondern Töne, Geräusche strahlen sie ab. Die Vorüber-gehenden stehen unversehens in einem Klangfeld kaum und doch deutlich hörbarer Geräusche: Hören wir da hohles Knacken, Knirschen, zärtliches Rauschen, luftiges Rascheln, Kinders – Klänge aus vergangenen Zeiten des versunkenden Spiels, die sich mit dem urbanen Geräuschpegel mischen?

Stefan Roigk erweckt mit seiner audiovisuellen Installation verborgene, vergessene oder nicht mehr bewusste Geräusche und Assoziationen des Parks und ehemaligen Friedhofs mitten im urbanen Gefüge zwischen Altenheimen, Hospiz, Kinderspielplatz und Grabsteinen. Durch den unversehens gehörten neuen Ton in einer vermeintlich bekannten Umgebung, zwischen all dem Weggehörten der Stadt wird unser Hören überhaupt zu einem Hinhören und wir fangen an, diesen Park, diese Umgebung und uns selbst darin anders wahrzunehmen.

Wir danken dem Hospiz Braunschweig für energetische, dem Grünflächenamt für technische Unterstützung.

Klang | Kunst | Schule

Termine

Führungen

Für klangstaetten | stadtklaenge 2017 erweitert sich seit einem Jahr kontinuierlich das schon erprobte und vielfältige Vermittlungsangebot des Allgemeinen Konsumvereins an alle Interessierte, an Schulklassen, Lehrkräfte und Vermittler_innen durch Angebote von Workshops, Schulungen, Vorträge und speziellen Führungen.

Klang | Kunst | Schule erfährt eine besondere Intensität:
„Es gibt immer etwas zu hören!“ - „Ich liebe es, wenn es raschelt!“ Wenn junge Lernende ihr Gehör bewusst nutzen und sich intensiv mit Klang beschäftigen, eröffnet sich ihnen eine neue Welt. Sie werden zu aktiven Zuhörern, Sammlerinnen, Archivaren und Erfinderinnen. Klang und Geräusche befähigen sie zum Perspektivwechsel vom Weg- und Überhören zum bewussten Hin-Hören, zum Anders-Hören-Lernen. Dieses Neu-Hören erbringt ein neues Gefühl von sich in der Welt, von sich genau an diesem Ort:
Den Klassenraum als Klangraum begreifen, den Klang der Schritte der Anderen kennen, die eigenen Geräusche merken, die Orte durch ihre Geräusche bestimmen, Atmosphären wahrnehmen und Hörerfahrungen als angenehm, betörend oder Nerv-tötend beschreiben, Materialien auf ihre Klangqualität prüfen – kurz: zu beginnen, mit den Ohren zu denken.

Die Kooperation mit der Realschule Sidonienstraße

An der Grundschule St. Joseph:

Klang Kunst Führungen für Schulklassen

Workshop mit Kurator_in und Klangkünstler_innen: 24.09.2017 |
15.00 Uhr
kostenfrei | Anmeldung erforderlich | 0176 – 80142728

Kunst-Schreiben – Workshop mit Jaqueline Krone: 27.09.2017 | 17.00 Uhr
kostenfrei | Anmeldung erforderlich
unter vermittlung@konsumverein.de oder telefonisch unter: 0176 – 80142728

Blitzausstellung klang | kunst | schule: 28.09.2017 | 16.00 Uhr
Klangobjekte, Prozesse, gesammelte Klänge aus dem Schulprojekt Realschule Sidonienstraße
Finissage  am 08.10.2017 | 11.30 Uhr auf dem Kreuz-Friedhof, Freisestraße mit dem Countertenor Daniel Gloger.
Wie kaum ein anderer inspiriert Daniel Gloger Komponist_innen und Bildende Künstler_innen zur Auseinandersetzung mit der Stimme.

Öffentliche Sonntagsführung 
10.09. | 17.09. | 24.09. | 01.10. | 08.10.2017
jeweils um 11.00 Uhr ab Allgemeiner Konsumverein circa 2 Stunden | kostenfrei | ohne Anmeldung

Individuelle Führungen  
Führungen für bis zu 15 Personen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, 3,50 € pro Person, mind. 35,00 €
Anmeldungen und Buchungen:
vermittlung@konsumverein.de |
0176 – 80142728

Performative Führung katrinem
14.9. |15 Uhr
15.9. |11 Uhr, 18 Uhr
29.9. |11 Uhr, 16 Uhr
30.9. |11 Uhr, 16 Uhr
1.10. |11 Uhr, 15 Uhr
7.10. |15 Uhr, 19 Uhr
8.10. |12 Uhr
Startpunkt: Allgemeiner Konsumverein, Hinter Liebfrauen 2.
Dauer ca. 1 Stunde. Maximale Teilnehmerzahl 10 Personen.
Für Gruppen ab 5 Personen können Sondertermine vereinbart werden.
Kosten: 5 € pro Person, min. 50 €.

Abendführung
immer Freitag, Samstag und Mittwoch um 19.00 Uhr, Ausgangspunkt ist der Kreuzfriedhof, Freisestraße 26a.
Ohne Anmeldung, Taschenlampen und gutes Schuhwerk sind notwendig, 4,50 Euro pro Person, Dauer circa 90 Minuten.

Anmeldungen und Buchungen:
vermittlung@konsumverein.de |
0176 – 80142728

Impulse, Workshops und Führungen für Schulklassen, 2,00 € pro Person
Anmeldungen und Buchungen:
vermittlung@konsumverein.de |
0176 – 80142728

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Projekttelefon: 0176 80142728 | info@klangstaetten.de
Allgemeiner Konsumverein e. V. | Hinter Liebfrauen 2 | 38100 Braunschweig

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